Allergische Erkrankungen

 

Die allergische Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen) kann sich durch juckende Augen, Niesen, Fliessschnupfen oder eine verstopfte Nase äussern. Wenn sie durch Baumpollen ausgelöst wird, bestehen die Beschwerden eher im Frühjahr, bei Graspollenallergie eher im Sommer. Falls die Beschwerden das ganze Jahr bestehen, sollte man nach einer Allergie gegen Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierhaaren suchen. Es steht eine breite Palette von wirkungsvollen symptomatischen Medikamenten zur Verfügung. Falls man die Ursache der Allergie bekämpfen möchte, sollte man eine spezifische Immuntherapie durchführen.

 

Das allergisches Asthma bronchiale äussert sich durch Atembeschwerden wie Kurzatmigkeit, Husten oder pfeifende Atmung bei Kontakt mit Inhalationsallergenen (z.B. Baumpollen, Graspollen, Hausstaubmilbe, Tierhaare, Schimmelpilze). Die Diagnose wird u.a. gestellt durch eine Lungenfunktionsprüfung. Bei einem Asthma bronchiale zeigt sich in der Spirometrie eine Verengung der kleinen Atemwege, welche sich durch die Inhalation mit einem Bronchodilatatoren normalisiert. Zusätzlich liegt oft ein erhöhtes Stickstoffmonoxid (eNO) in der Ausatemluft vor als Marker für eine eosinophile Entzündung der Atemwege. Wie bei allergischer Rhinokonjunktivitis kann die Ursache des allergischen Asthmas mit spezifischer Immuntherapie behandelt werden.

 

Nahrungsmittelallergien können sich durch Symptome äussern, welche meist bis zu maximal 2 Stunden nach der Nahrungsaufnahme auftreten (seltener können die Symptome von Nahrungsmittelallergien auch später auftreten). Da Babys bereits im Mutterleib bzw durch die Muttermilch mit bestimmten Proteinen aus verschiedenen Nahrungsmitteln in Berührung kommen, tritt eine allergische Reaktion meist schon beim 1. Kontakt mit einem Nahrungsmittel auf. Sie kann sich durch eine Nesselsucht (Urtikaria), Schwellungen im Gesicht, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Atembeschwerden oder Kreislaufbeschwerden zeigen. Die häufigsten Nahrungsmittelallergene im Kindesalter sind Kuhmilch, Hühnerei, Erdnuss, Nüsse, Weizen, Soja und Fisch. Einige dieser Allergien sind spontan rückläufig (typischerweise Kuhmilch oder Hühnerei), andere können ein Leben lang bestehen bleiben. Um zu prüfen, ob eine spontane Toleranz eingetreten ist, sollte man regelmässig Messungen des spezifischen IgE und/oder Haut-Prick-Testungen durchführen. Aber um letztlich eine Nahrungsmittelallergie auszuschliessen, sollte man eine orale Provokationstestung durchführen. Falls sich keine spontane Toleranz einstellt, kann versucht werden, diese mittels einer oralen Immuntherapie für Nahrungsmittel herbei zu führen.

 

Die atopische Dermatitis (atopisches Ekzem, Neurodermitis) ist meistens eine genetisch determinierte Hautbarrierestörung. Hierbei kommt es zu trockenerer, juckender Haut, welche durch verschiedene Einflussfaktoren immer wieder zu geröteten und entzündeten Stellen führt. Eine Allergie auf Nahrungsmittel oder Inhalationsallergene wie Hausstaubmilben, Tierhaare oder Pollen, ist nicht die Ursache der atopischen Dermatitis sondern könnte einer der vielen Einflussfaktoren sein. Die Therapie besteht daher vor allem in einer dem Hautzustand angepassten Basispflege mit Rückfettung der Haut und antientzündlichen Therapie mit für Kinder geeigneten kortisonhaltigen Crèmes oder Calcineurininhibitoren (Elidel®, Protopic®).

 

Die Urtikaria (Nesselsucht) äussert sich durch juckende Quaddeln. Sie kann sporadisch oder chronisch auftreten. Bei der chronischen Form handelt es sich in über 90% der Fälle um eine chronisch spontane Urtikaria (CSU), bei welcher man keinen spezifischen Auslöser finden kann. Der Verlauf ist oft selbstlimitierend mit einer Dauer von durchschnittlich 2 Jahren. Bei Kindern kann in seltenen Fällen eine ungefährliche Parasiteninfektion dahinterstecken. Daneben sind einige Formen mit physikalischen Auslösern wie Kälte, Wärme, Anstrengung, Druck etc bekannt. Die Therapie besteht entweder in der Vermeidung der Auslöser oder bei der CSU in der Gabe von oralen Antihistaminika. Bei therapierefraktären Formen ist sie subcutane Injektion mit Omalizumab (Xolair®) sehr erfolgreich.

 

Medikamentenallergien kommen im Kindesalter deutlich seltener vor als bei Erwachsenen. Viel häufiger handelt es sich um unspezifische Ausschläge im Rahmen von viralen bzw bakteriellen Infekten. Um dies unterscheiden zu können sind zum Teil Hauttestungen sinnvoll. Bei nicht sehr ausgeprägten Ausschlägen kann man häufig auch direkt einen oralen Provokationstest mit Medikamenten durchführen, um eine Medikamentenallergie auszuschliessen. Dies ist wichtig, da sonst im gesamten weiteren Leben bei Infekten unnötigerweise zu starke oder weniger gut passende Antibiotika verabreicht werden.

 

Unter Hymenopterengiftallergien versteht man vor allem die Bienen- und Wespengiftallergien. Weniger häufig treten auch Hummel- oder Hornissengiftallergien auf. Sobald ein Patient nicht nur an der Einstichstelle sondern am ganzen Körper mit der Haut, Atmung oder Kreislauf reagiert, ist eine Untersuchung der spezifischen IgE Werte und eine Ausstattung mit einem Notfallset (bei schwereren Reaktionen inkl Adrenalinpen) notwendig. In diesen Fällen sollte auch eine spezifische Immuntherapie mit Bienen- oder Wespengift erwogen werden, da sie in bis zu 85% bei Bienen und bis zu 95% bei Wespen vor einer erneuten schweren Reaktion schützt.

 

Allergie Diagnostik

 

Haut-Testungen: Ein Prick-Test kann bereits bei Säuglingen gemacht werden. Hierfür bringt man jeweils einen Tropfen einer speziellen Lösung mit dem Allergen auf den Unterarm auf. Bei der Testung von Nahrungsmitteln ist es meistens genauer, wenn man das Nahrungsmittel selbst testet. Eine grosse Anzahl an Nahrungsmitteln (zB Milch, Ei, Nüsse, Soja, Weizen etc) stehen dafür in unserer Praxis bereits zur Verfügung, spezielle Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Fisch oder Meeresfrüchte müssen bei Bedarf mitgebracht werden. Mit einem Patch-Test werden verzögerte Hautreaktionen z.B. auf Antibiotika getestet. Dafür wird jeweils 1 Tropfen eines Antibiotikums auf ein kleines Metallplättchen gegeben und anschliessend werden mehrere dieser kleinen Plättchen mit einem Pflaster auf den Rücken aufgebracht. Der Test muss mindestens 48 Stunden auf dem Rücken bleiben, daher darf das Kind in dieser Zeit nicht geduscht oder gebadet werden.

 

Blutentnahme mit Bestimmung spezifischer IgE: Blutentnahmen werden bei uns in der Regel am Ende der Konsultation durchgeführt, so dass genug Zeit bleibt, die Einstichstelle zuvor mit einem lokalen Emla-Patch® («Zauberpflaster») zu betäuben. Die Kinder spüren den Einstich daher kaum. Das Blut wird zur Bestimmung der spezifischen IgE Antikörper noch am gleichen Tag in ein auswertiges Labor versandt.

 

 

 

Orale Provokationstestungen mit Nahrungsmitteln: Um zwischen einer Sensibilisierung ohne klinische Relevanz und einer Nahrungsmittelallergie zu unterscheiden, muss man häufig eine orale Provokationstestung mit Nahrungsmitteln durchführen. Ausserdem braucht man Provokationstestungen, um festzustellen, ob sich bei einer bekannten Nahrungsmittelallergie eventuell schon eine spontane Toleranz eingestellt hat. Die Testungen werden in der Regel in unserer Praxis durchgeführt. Die Kinder erhalten normalerweise 5 Portionen eines Nahrungsmittels. Hierbei wählen wir eine Zubereitungsform in Rücksprache mit den Eltern welche vom Kind bevorzugt gegessen wird. Vor und während der Provokation werden die Kinder ausführlich untersucht, der Blutdruck und die Sauerstoffsättigung gemessen (falls notwendig auch kontinuierlich während der Provokation). Für die Provokationen steht ein eigener Raum mit einer fachkundigen Pflegefachfrau, Patientenliegen, iPads und Spielecke zur Verfügung, da sie sich meist über mehrere Stunden erstrecken. Nach der letzten Portion muss eine Beobachtungszeit von 2 Stunden abgewartet werden, bis das Kind die Praxis wieder verlassen kann, da die allergischen Reaktionen zum Teil erst nach dem Verdauen bestimmter Nahrungsmittel auftreten können.

 

Nasale Provokationstestungen mit Inhalationsallergenen: Um zu testen, ob eine Sensibilisierung gegen Pollen oder Hausstaubmilben tatsächlich klinisch relevant ist, kann man einen Watteträger, welcher zuvor in einer Lösung mit dem Allergen getränkt wird für 10-15 Minuten in einem Nasenloch belassen. Ein positiver Test spricht für eine klinische Relevanz der Sensibilisierung.

 

Provokationstestungen mit Medikamenten: Um zu testen, ob es sich bei einem Ausschlag tatsächlich um eine Allergie handelt, muss ein Medikament nochmals gegeben werden ohne dass ein Infekt vorliegt. Die erste Gabe erfolgt mit einer Überwachungszeit in der Praxis. Falls man eine verzögerte Reaktion testen möchte, sind noch 5 weitere Gaben zuhause notwendig, um eine Allergie sicher ausschliessen zu können.

 

Lungenfunktionstestung mit Spirometrie: Die Spirometrie kann bei Kindern ab 4-5 Jahren angewendet werden. Sie zeigt, ob bei einer verstärkten Ausatmung ein eingeschränktes Atemvolumen oder eine Verengung der kleinen Atemwege im Sinne eines Asthma bronchiales vorliegt.

 

Messung des exhalativen Stickstoffmonoxid (eNO): Das ausgeatmete Stickstoffmonoxid ist erhöht, wenn eine allergische Entzündung in den Atemwegen vorliegt. Es ist daher ein guter zusätzlicher Hinweis dafür, ob ein allergisches Asthma bronchiale vorliegt. Ausserdem sollte es unter einer Therapie mit inhalativen Kortikosteroiden absinken und ist somit ein guter Verlaufsparameter.

 

 

Wichtige Links

 

 

www.aha.ch

(Asthma und Allergie Schweiz)

www.erdnussallergie.ch

(Verein Erdnussallergiker)

www.sgai.ch

(Schweizer Gesellschaft für Allergologie und Immununologie)

www.eaaci.org

(European Association of Alllergy and clinical Immunology)